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Stilformen

Grundsätzlichen werden zweierlei Typen von Darstellungsformen unterschieden:

INFORMIEREND & KOMMENTIEREND,

welche prinzipiell für alle Medien gelten, also im Print-, RF- und Onlinebereich gleichermaßen.
Diese der bundesdeutschen Journalismusschule nach 1945 entsprechende Gliederung geht im Wesentlichen auf die vom amerikanischen Journalismus übernommene Regel der Trennung von Information und Meinung zurück.

1) Informierende Darstellung:

  • Nachricht
  • Knappes und präzises Informieren mit Konzentration auf die wesentlichen Fakten eines tagesaktuellen Ereignisses.
    Im Printbereich entspricht die Nachricht ca. 25 Druckzeilen („Einspalter“)
    sowie max. 1`00 im Hörfunk / Fernsehen.

  • Bericht
  • Umfassender und lebendiger als die Nachricht informiert der Bericht über aktuelle politische Ereignisse, dient aber auch der Unterhaltung (z.B. Sportberichterstattung)
    Der Bericht lässt sich zusammenfassen als Nachricht plus Hintergrund, Zitate oder O-Töne mit tagesaktuellem Anlass.
    Im Printbereich entspricht der Bericht max. 100 Druckzeilen („Zwei- oder Dreispalter“)
    sowie zwischen 1`30 – 4`00 im Hörfunk / Fernsehen.

  • Reportage
  • Die Reportage berichtet detailliert über Vorgänge, Zusammenhänge oder Menschen und deren Lebensumstände.
    Der Aufbau ist nicht nachrichtlicher sondern dramaturgischer Natur.
    Ein tagesaktueller Anlass muss nicht gegeben sein.
    Die Reportage entspricht im Printbereich min. 70 Druckzeilen („Seite Drei“)
    sowie 2`30 – 30`00 im Hörfunk / Fernsehen.

  • Feature
  • Das Feature folgt bestimmten Thesen oder Analysen.
    Seine Substanz rührt aus der interessanten Aufbereitung (Spannungsbogen) eines an sich nicht unbedingt dramatischen Stoffes.
    Auch muss kein takesaktueller Anlass gegeben sein.
    Im Printbereich entspricht das Feature min. 100 Druckzeilen Print (vorwiegend Magazinjournalismus)
    sowie zwischen 15`00 – 60`00 im Hörfunk / Fernsehen.

  • Interview & Umfrage
  • Ein Interview ist ein im (bearbeiteten) Originalton veröffentlichtes Gespräch in Frage-Antwort-Form.
    Nicht nur tagesaktuelle Ereignisse müssen der Anlass sein.
    Das Interview entspricht im Printbereich min. 50 Druckzeilen Print
    sowie 1`30 – 4`00 im Hörfunk / Fernsehen.

Im Einzelnen haben die informierenden Darstellungsformen noch diverse Subkategorien. Übergreifend werden sie unterteilt zwischen denen, die einen Anspruch auf “Objektivität” haben (Nachricht, Bericht), also informierend sind, und denen, die interpretierenden Charakter haben (Reportage, Feature etc.). Letzteren liegen subjektive Beobachtungen und Einschätzungen zugrunde. Streng genommen kann jedoch keine der informierenden Darstellungsformen einen Anspruch auf Objektivität erheben, da jeder Selektionsprozess (z.B. hinsichtlich Relevanz oder Bedeutung eines Ereignisses) immer nach Maßgabe subjektiver Wertzuschreibungen vonstatten geht.
Anzumerken ist außerdem, dass die Unterteilung der Darstellungsformen zwischen Information und Meinung Modellcharakter mit Soll-Imperativ hat. In der Praxis kommt es auch zu Vermischungen.

2) Kommentierende Darstellung:

  • Kommentar
  • Der Kommentar ist die explizite Meinung/Bewertung eines einzelnen Betrachters/Verfassers zu einem tagesaktuellen Sachverhalt, über den zuvor an anderer Stelle bereits ausführlich berichtet wurde und welcher gesellschaftspolitisches Konflikt- bzw. Polarisierungspotenzial birgt.

  • Glosse
  • Bei der Glosse handelt es sich um einen Sammelbegriff kurzer meinungsorientierter Darstellungen tagesaktueller Geschehnisse mit satirischem, polemischen, bloßstellenden, pointierten – kurz: spitzen Charakter der Argumentation und Ausführung. Ein dementsprechend hohes sprachliches Niveau sollte vorliegen.
    Die Glosse entspricht im Printbereich ca. 50 Druckzeilen,
    sowie 1`30 – 3`00 im Hörfunk / Fernsehen.

  • Kritik, Rezension, Betrachtung
  • Hierbei handelt es sich um die Meinungsäußerung von Experten zu einem Werk der bildenden oder darstellenden Künste sowie der Musik oder der Literatur. Auch Institutionen oder Kulturveranstaltungen im weitesten Sinne können besprochen werden. Der Anlass ist tagesaktuell.
    Die Entsprechung im Printbereich liegt bei min. 50 Druckzeilen
    sowie bei 2`30 – 5`00 im Hörfunk / Fernsehen.

Auch die meinungsorientierten Darstellungsformen lassen sich in diverse Subkategorien untergliedern und haben medienspezifische Bezeichnungen (z.B. der Essay oder die Kolumne im Printbereich als Betrachtungsspezifikation etc.). Auch hier kommt es in der Praxis nicht selten zu Vermischungen.

Literatur:

  • La Roche, Walter von: Einführung in den praktischen Journalismus. 18. Auflage. Econ. Berlin 2009.
  • Mast, Claudia: ABC des Journalismus. 10. Auflage. UVK-Verlagsgesellschaft. Konstanz 2004.
  • Ruß-Mohl, Stephan: Journalismus. Das Hand- und Lehrbuch. FAZ-Institut für Management-, Markt- und Medieninformation. Frankfurt M. 2003.
  • Schneider, Wolf / Raue, Paul-Josef: Das neue Handbuch des Journalismus. 2. Ausgabe. Rowolth. Reinbek 2003.
  • Weischenberg, Siegfried: Handbuch Journalismus und Medien. UVK-Verlagsgesellschaft. Konstanz 2005.

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